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Tauchuntersuchungen in Baggerseen

der Region Gifhorn-Wolfsburg

Untersuchungsgebiet

Gifhorn liegt im norddeutschen Tiefland im Allertal und grenzt im Süden und Norden an Grundmoränen der Saale-Eiszeit. Natürlicherweise fehlen hier große Seen. Erst mit der intensiven Bautätigkeit ab Mitte des 20. Jahrhunderts entstanden größere Seen durch Sand- und Kiesgewinnung. Der eiszeitlich geprägte Naturraum des Aller-Weser-Urstromtales in Ostniedersachsen wird von Kies- und Sandablagerungen bestimmt, die einen wertvollen Rohstoff für die Bauindustrie darstellen. Hier entstanden und entstehen aufgrund des hoch anstehenden Grundwassers bei der Gewinnung von Kiesen und Sanden Baggerseen. Der Tauchsportclub Gifhorn (TSC) betaucht den Bernsteinsee und den Tankumsee alljährlich intensiv. Für den Waldsee hat der TSC aufgrund einer Kooperationsvereinbarung eine Sondertauchgenehmigung. Aufgrund der relative großen Entfernung zu Gifhorn wird der Allersee von Tauchern des TSC nur selten betaucht. Das Tauchen im Naturschutzgebiet Kranichmoorsee ist verboten. Taucher des TSC durften nur mit einer Ausnahmegenehmigung der Unteren Naturschutzbehörde für Gewässeruntersuchungen im Kranichmoorsee tauchen.

Ergebnisse

Die untersuchten Baggerseen sind unterschiedlich mit Pflanzen und Tieren besiedelt. Es wurden 18 Gefäßpflanzen und 4 Armleuchteralgenarten gefunden. Der Neophyt Elodea nuttallii ist in fast allen Gewässern in z.B. dichten Beständen anzutreffen. Dagegen ist Elodea canadensis nur noch in kleinen Beständen anzutreffen und ist scheinbar auf dem Rückzug. Nitellopsis obtusa (Stern-Armleuchteralge) ist im Tankumsee und Allersee sehr häufig und bildet von etwa 1m bis 6m Wassertiefe dichte Bestände. Im Tankumsee bildet sie in etwa 6m Tiefe eine scharfe Grenze, darunter kommen nur noch vegetationsfreie Sandflächen.

Tab. 1: Wasserpflanzen (Aufsammlungen von 2000 bis 2009)

Arten/Gewässer Allersee Bernsteinsee Kranichmoorsee Tankumsee Waldsee Neophyten
Ceratophyllum demersum x     x x  
Ceratophyllum submersum x          
Elodea canadensis x   x x   x
Elodea nuttallii x   x   x x
Myriophyllum spicatum x   x x x  
Myriophyllum spec.   x        
Najas marina x          
Nymphea alba       x x  
Potamogeton berchtoldii     x   x  
Potamogeton crispus x   x x x  
Potamogeton natans         x  
Potamogeton gramineus     x x    
Potamogeton obtusifolius x          
Potamogeton pectinatus x   x x x  
Potamogeton perfoliatus x          
Potamogeton trichoides       x    
Polygonum amphibium x          
Utricularia australis         x  
Chara contraria       x    
Chara glomerata       x x  
Chara vulgaris       x    
Nitellopsis obtusa x     x    
Nitella spec. x   x x x  
Nitella mucronata x          
Cladophora spec.     x      

Es wurden 11Fischarten, zwei Krebsarten und 3 Muschelarten nachgewiesen. Gaumert, D., und Kämmereit, M. (1993) geben für Niedersachsen 62 Fischarten, 3 Krebsarten und eine Krabbenarten an. Dabei gelten 10 Fischarten, 2 Krebsarten und die Wollhandkrabe als nicht einheimisch (Neozoen). Verglichen damit ist die Fischfauna der untersuchten Baggerseen sehr artenarm. Es fehlen insbesondere die Kleinfischarten wie Elritze, Karausche, Ukelei, Moderlieschen, Bitterling, Steinbeißer, Dreistachliger und Neunstachlige Stichlinge. Der einheimischer Flußkrebs ist auch nicht vorhanden. Es dominieren insbesondere die stark von Sportanglern durch Besatz geförderte Fischarten. Die 2 Flußkrebsarten sind ebenfalls erst durch Besatzmaßnahme bzw. Zuwanderung aus benachbarten Gewässern in die Baggerseen gekommen. Bei den Muscheln wurde aufgrund ihrer großen Anzahl nicht immer nach der Art unterschieden, deshalb werden die Arten der beiden Gattungen Unio und Anodonta nicht dargestellt. Es wurden die Große Flussmuschel (Unio tumidus), die Malermuschel (Unio pictorums), die Große Teichmuschel (Anodonta cygnea) und die Gemeine Teichmuschel (Anadonta anatina) gefunden. Die Zebramuschel (Dreissena polymorpha) ist aus dem Schwarzmeergebiet eingewandert und gilt als nicht einheimische Art.

Tabelle. 2: Fische

Arten Tankumsee Waldsee Kranichmoorsee Bernsteinsee Allersee
Aal x x x   x
Blei, Brachsen   x   ?  
Flussbarsch x x x x x
Hecht x x x   x
Karpfen x x   x  
Kaulbarsch x   x x x
Rotauge x x x   x
Rotfeder x x x x x
Schleie   x x    
Gründling       x  
Zander   x     x

Tabelle 3: Wirbellose

Arten Tankumsee Waldsee Kranichmoorsee Bernsteinsee Allersee Neozoen
Teichmuschel (Anadonta spec.) x x x   x  
Flußmuschel (Unio spec.)   x        

Zebramuschel (Dreissena polymorpha)

x x x x x x
Kamberkrebs (Orconectes limosus) x x x   x x
Galizischer Sumpfkrebs (Astacus leptodactylus) 1         x

 

1. Bernsteinsee

Der Bernsteinsee entstand in den 1970ger Jahren durch Sand- und Kiesgewinnung für den Bau des Elbe-Seitenkanals. Als Nachnutzung wurde ein Ferienhausgebiet mit Badestrand angelegt.

 

Fläche 9,5ha
Höhe ü.NN 61m
Maximale Tiefe 12m
Nutzung Freizeitsee, Baden, Tauchen, Angeln
Sediment Sand

Flora

Der Bernsteinsee ist weitgehend von Gefäßpflanzen unbesiedelt. Man findet nur vereinzelt kleine Pflanzen wie das Tausendblatt. Die Ursache dafür ist nicht bekannt.

Tausendblatt
   

Fauna

Fische sind im Bernsteinsee kaum zu finden. Nur vereinzelt wurden Flußbarsche, Karpfen, Gründlinge gesehen.

Literatur und Links

http://www.bernsteinsee.de/index2.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Bernsteinsee

2. Tankumsee

Der Tankumsee entstand in den 1970ger Jahren beim Bau des Elbe-Seitenkanals. Da er keinen Zu- oder Abfluß besitzt ist er als Grundwassersee zu bezeichnen. Als Erholungsgebiet (Feriensiedlung, Badestrand, Wassersport und Angeln), das von Wald (Barnbruch) und Grünland umgeben ist, wird der Tankumsee von vielen Erholungssuchenden und Wassersportlern besucht.

Fläche 62ha
Höhe ü.NN 52m
Maximale Tiefe 18m
Nutzung Freizeitsee, Baden, Tauchen, Segeln, Angeln
Sediment Sand
Wasser kalkhaltig
untere Vegetationsgrenze in 6m Wassertiefe

 

 

Flora

Tausendblatt (Myriophyllum spicatum)
Hornkraut (Ceratophyllum demersum)
Laichkraut (Potamogeton gramineus) Nitellopsis obtusa (Stern-Armleuchteralge)
Nitellopsis obtusa (Stern-Armleuchteralge), Stärkekörper
Nitellopsis obtusa (Stern-Armleuchteralge), Stärkekörper

 

Fauna

Aal
Aal in Höhle
Flussbarsch
Hecht
Kaulbarsch
Teichmuschel
Kamberkrebs
Galizischer Sumpfkrebs

 

Literatur und Links

http://de.wikipedia.org/wiki/Tankumsee

Betreibergesellschaft Tankumsee

3. Kranichmoorsee

Der Kranichmoorsee entstand ebenfalls in den 1970ger Jahren beim Bau des Elbe-Seitenkanals.

Fläche 7,3ha
Höhe ü.NN 54m
Maximale Tiefe 10m
Nutzung keine
Sediment Sand
Wasser kalkhaltig
untere Vegetationsgrenze in 5-6m Wassertiefe
Schutzstatus Naturschutzgebiet

 

 

 

Flora

Chara vulgaris Potamogeton gramineus
Potamogeton pectinatus
Grünalgen

 

Fauna

Flussbarsch
Rotfeder
Hecht
Kamberkrebs
Zebramuscheln
Teichmuschel

 

4. Waldsee

Der Waldsee entstand in den 1970ger Jahren beim Bau der Umgehungsstraße (B4).

Fläche 4,5ha (offene Wasserfläche)
Höhe ü.NN 55m
Maximale Tiefe 10m
Nutzung Eigentum des Angelsportvereins Gifhorn, Angeln
Sediment Sand
untere Vegetationsgrenze in 4-5m Wassertiefe
Schutzstatus Landschaftsschutzgebiet

 

 

 

Flora

Wasservegetation am Ufer
Wasserpest (Elodea nuttallii)
Kleinlaichkraut (Potamogeton berchtoldii)
Krauses Laichkraut (Potamogeton crispus)
Wasserschlauch (Utricularia australis)
Hornkraut (Ceratophyllum demersum)

 

Fauna

Aal
Aal in Höhle
Flußbarsch
Brachsen, Blei
Spiegelkarpfen
Karpfen, Wildform
Hecht
Schleie
Zander

http://www.asv-gifhorn.de/gewaesser/waldsee-00.htm

http://de.wikipedia.org/wiki/Gifhorn

http://de.wikipedia.org/wiki/Gifhorn-Winkel

5. Allersee

Der Allersee entstand 1971 beim Bau des Allersee-Parks. Ursprünglich nur 2,5 m tief, wurde 1987 er auf etwa 11 m vertieft. Der Allersee ist ein Grundwassersee der direkt an der Aller gelegen ist und nur durch einen Sandwall von der Aller getrennt ist. Er besitzt keinen Zu- oder Abfluß. Als beliebtes Naherholungsgebiet, das von von Grünland und Parkanlagen umgeben ist (Wassersport, Baden, Angeln) wird er von vielen Menschen aufgesucht.

Fläche 29ha
Höhe ü.NN 56m
Maximale Tiefe 11m
Nutzung Freizeitsee, Baden, Tauchen, Segeln, Rudern, Angeln
Sediment Sand
untere Vegetationsgrenze in 5,5 - 6,0m Wassertiefe
Wasser kalkhaltig

 

     

Flora

Stern-Armleuchteralge (Nitellopsis obtusa)
Nixenkraut (Najas marina)
Nixenkraut (Najas marina)
Nixenkraut (Najas marina)
Hornkraut (Ceratophyllum demersum)
Zartes Hornkraut (Ceratophyllum submersum)
Stumpfblättriges Laichkraut (Potamogeton obtusifolius)
Durchwachsenes Laichkraut (Potamogeton perfoliatus)
Krauses Laichkraut und Durchwachsenes Laichkraut (Potamogeton crispus und P. perfoliatus)
 
Stachelspitzige Glanzleuchteralge (Nitella mucronata)
Stachelspitzige Glanzleuchteralge (Nitella mucronata), Spitze

Bewertung

Der Bund-Länder-Arbeitskreis "FFH-Berichtspflichten Gewässer" hat ein Bewertungs-schemata für die Standgewässer-Lebensraumtypen erarbeitet (Bundesamt für Naturschutz, http://www.bfn.de/0316_akgewaesser.html). Der Erhaltungszustand von „nährstoffarmen bis mäßig nährstoffreichen kalkhaltigen Stillgewässern mit Armleuchteralgen (3140)“ sollen danach nach der Vollständigkeit der lebensraumtypischen Habitatstrukturen, der Characeenvegetation, der Vollständigkeit des lebensraumtypischen Arteninventars, den Beeinträchtigungen und der unteren Makro-phytengrenze bewertet werden (Tabelle 6). Schwirigkeiten bei der Bewertung ergeben sich aus fehlenden natürlichen See im Naturraum. Man muß deshalb auf andere Naturräume ausweichen. Für große Baggerseen von >50ha wird als Refenzgewässer ein oligotropher (nährstoffarmer) von Armleuchteralgen dominierter Zustand angenommen (Weyer 2006). Von den größeren untersuchten Baggerseen weisen Tankumsee und Allersee eine ausgedehnte Characeenvegetation auf. Im Vergleich zum Refenzzustand weisen sie schon Eutrophierungstendenzen auf und erreichen deshalb nur die Bewertung „gut“.

Tabelle 4: Bewertung von Allersee und Tankumsee

Gewässer Habitatstrukturen Characeenvegetation Arteninventar Beeinträchtigungen Makrophytengrenze Erhaltungszustand
Allersee gut 10-50% gut gut 6m gut
Tankumsee gut 10-50% gut gut 6m gut

Der Allersee wird aber auch in Teilbereichen von Arten eutropher Gewässer besiedelt (z.B. Potamogenton obtusifolius, Potamogenton perfoliatus, Najas marina). Hier könnten schon Eutrophierungsfolgen vorliegen. Die kleineren Baggerseen Kranichmoorsee und Waldsee haben nur wenige kleine Bestände von Armleuchteralgen. Sie sind vor allem von Laichkrautarten und Tausendblatt geprägt und entsprechen den „natürlichen und naturnahen nährstoffreichen Stillgewässern mit Laichkraut- oder Froschbiss-Gesellschaften“ (Tabelle 7). Für kleinere Seen gibt es bisher keine verbindlichen Referenzen nach denen sie zu bewerten sind. Da kleinere Seen in der Regel relativ geringe Tiefen aufweisen können sie natürlicherweise schneller eutrophieren, so dass sich natürlicherweise nährstoffreiche Seentypen entwickeln. Mit zunehmender Eutrophierung nehmen empfindliche Arten ab, z.T. Armleuchterarten und es kommt zur Dominanz weniger Arten. Da die Baggerseen noch im Vergleich zu natürlichen Seen sehr jung sind deutet sich eine vergleichsweise schnelle Entwicklung zu nährstoffreicheren Zuständen an. Man spricht in der Limnologie von einer „Seenalterung“. Mit zunehmendem Alter macht jeder See eine Reihe von Stadien (Sukzession) durch. Im Extremfall verlandet ein See und es entsteht ein Moor. Die aufeinanderfolgenden Phasen sind jeweils aufgrund der sich ändernden Ökofaktoren durch sich ablösende Biozönosen charakterisiert. Auf demselben Areal entstehen also in einer bestimmten Zeitfolge sich einander ablösende Ökosysteme, die durch fließende Übergänge miteinander verbunden sind. Je nach dem Trophiegrad und dem Volumenverhältnis werden verschiedene Seentypen voneinander unterschieden. Diese Seenalterung ist ein natürlicher Prozeß, der allerdings natürlicherweise tausende von Jahren dauern kann. Durch menschliche Aktivitäten kann diese Entwicklung stark beschleunigt werden. Viele ehemals nährstoffarme Seen sind in Deutschland innerhalb weniger Jahrzehnte durch Abwassereinleitungen zu nährstoffreichen Seen geworden. Auch nährstoffreiches Grundwasser z.B. aufgrund hoher Nitratgehalte kann zur Eutrophierung von Seen führen. Aus der Luft gelangen ebenfalls Nährstoffe in Seen. Im Kranichmoorsee und Waldsee sind vom typischen Arteninventar jeweils nur 4 Arten vertreten. Es könnte aber auch noch die Wasserlinse im Uferbereich vorkommen, die aber vom Ufer erfasst werden müsste. Das ist vergleichsweise wenig. Sie befinden sich damit in einem kritischen Zustand der regelmäßig überwacht werden sollte um rechtzeitig negative Veränderungen registrieren zu können. Das starke Pflanzenwachstum deutet auf eine reiche Versorgung mit Nährstoffen in den Gewässern hin. Es könnte also zu einer Nährstoffzuhname in den nächsten Jahren beispielsweise über das Grundwasser kommen und zur Verschlechterung der Gewässersituation.

Tabelle 5: Bewertung von Kranichmoorsee und Waldsee

Gewässer Habitatstrukturen Arteninventar Beeinträchtigungen Makrophytengrenze Erhaltungszustand
Kranichmoorsee gut mittel gut 6m mittel-gut
Waldsee gut mittel gut 5m mittel-gut

Die Baggerseen stellen auch für gefährdete Arten einen neuen wichtigen Lebensraum dar. Es wurden 10 Pflanzenarten der Roten-Liste Deutschlands bzw. 7 der Roten-Liste Niedersachsens gefunden (Tabelle 8). Unter den Fischen wurden nur 3 Arten der Roten-Liste gefunden. Da unter Fischen insbesondere viele gefährdete Kleinfischarten (Ukelei, Bitterling, Steinbeißer) in den Baggerseen fehlen (Tabelle 9).

Fazit

Aufgrund ihrer Makrophytenvegetation befinden sich der Allersee und der Tankumsee in einem guten Zustand. Vorkommen von Arten eutropher Gewässer signalisieren, dass möglicherweise eine Eutrophierung erfolgt. Deshalb sind weitere regelmäßige Beobauchtungen der Entwicklung nötig. Im Kranichmoorsee und Waldsee wachsen nur wenige lebensraumtypische Pflanzenarten deshalb muß ihr Zustand als mittel bis gut eingestuft werden. Ihr Zustand sollte in Zukunft regelmäßig kontrolliert werden um eine Verschlechterung rechtzeitig erkennen zu können und Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Als Vorsorgemaßnahme sollte der Eintrag von Nährstoffen vermieden werden. Der Neophyt Elodea nuttallii erreicht hohe dichten, dominiert aber die Vegetation nicht. Der Bernsteinsee ist kaum von Makrophyten besiedelt. Die Gründe sind unbekannt. Allgemein sind die Ufer der Baggerseen im Vergleich zu typischen natürlichen Seen Norddeutschlands zu steil und die Zonierung der Ufer- und Wasservegetation ist sehr schmal ausgebildet. Bei Anlage neuer Baggerseen sollten daher flache Ufer geschaffen werden.

Für die Bewertung des ökologischen Zustandes von Seen anhand der Fischfauna liegt aktuell kein anerkanntes Bewertungsverfahren, sondern lediglich verschiedene Verfahrensentwürfe und wissenschaftliche Arbeiten vor (IFB 2005). Für die Bewertung der Seen anhang der Fischfauna kommt es entscheidend auf die Erstellung von Referenzfischzönosen an. Dabei sollten die künstlichen Baggerseen, wie es auch die Wasserrahmenrichtlinie fordert, sich an vergleichbaren natürlichen Seen orientieren. Um eine vergleichbare Bewertung machen zu können müssen die Daten nach einer standartisierten Methode erhoben werden. Deshalb kann an dieser Stelle eine Bewertung nach den Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie nicht erfolgen. Es können nur Hinweise und vorläufige Einschätzungen gegeben werden. Als Vergleich möchte ich hier den Arendsee in Sachsen-Anhalt heranziehen. IFB (2005) gibt für ihn 13 Fischarten im Referenzzustand an. In den untersuchten Baggerseen habe ich nur 5 bis 9 Arten nachweisen können. Dabei wird der Aal und der Karpfen als Besatz eingebracht worden sein und sich nicht in den Baggerseen fortpflanzen. Dies weist daraf hin, dass die Fischbiozönose in allen untersuchten Baggerseen stark verarmt ist. Es fehlen insbesondere für Seen typische Kleinfischarten.

Literatur

BECKER, R. (2008) Die Armleuchteralgen (Characeae) des Weser-Ems-Gebietes. RMB(19) 43-55.

ECORING (2003): Bericht zum Untersuchungsauftrag - Limnologische Untersuchungen an 11 ausgewählten Seen (>50 ha) in Niedersachsen (chemisch-physikalische Messungen, Makrophytenkartierung, Phytoplanktonzusammensetzung). I.A. NLÖ

GAUMERT, D., KÄMMEREIT, M. (1993): Süßwasserfische in Niedersachsen. NLÖ. Hildesheim

INSTITUT FÜR BINNENFISCHEREI E.V. (IFB) (2005): Untersuchungen zur Bewertung des ökologischen Zustandes von Oberflächengewässern des Landes Sachsen-Anhalt anhand der Fischfauna gemäß den Vorgaben der EUWasserrahmenrichtlinie. Projektabschlussbericht im Auftrag des Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt Sachsen-Anhalt.

PUDWILL, R. (2000): Die Makrophytenvegetation des Allersees und des Tankumsees (Ost-Niedersachsen) - unter besonderer Berücksichtigung der Armleuchteralgen (Charales). - Beitr. z. Naturk. Niedersachsen 53: 68-71.

SCHMIDT, D., K. VAN DE WEYER, W. KRAUSE, L. KIES, A. GARNIEL, U. GEISSLER, A. GUTOWSKI, R. SAMIETZ, W. SCHÜTZ, H.-CH. VAHLE, M. VÖGE, P. WOLFF & A. MELZER (1996): Rote Liste der Armleuchteralgen (Charophyceae) Deutschlands in: Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.): Rote Liste gefährdeter Pflanzen Deutschlands. Schriftenreihe für Vegetationskunde 28: 547-567, Bonn.

SCHNITTLER, M. & LUDWIG, G. (1996): Zur Methodik der Erstellung Roter Listen – in: Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.): Rote Liste gefährdeter Pflanzen Deutschlands. Schriftenreihe für Vegetationskunde 28: 709- 739, Bonn.

VAHLE,H-CHR.(1990): Armleuchteralgen (Characeae) in Niedersachsen und Bremen. Informationsdienst Naturschutz Niedersachsen 5/90.

WEYER, K. VAN DE (2006): Klassifikation und Bewertung der Makrophytenvegetation der großen Seen in Nordrhein-Westfalen gemäß EU-Wasser-Rahmen-Richtlinie. LUA NRW Merkblatt 52: 108 S.

WEYER, K. VAN DE, WANNER, S., PRAWITT, O. (2009): Bewertungsverfahren für rheinangebundene Gewässer auf Grundlage der Makrophyten. WASSER UND ABFALL 1-2 | 2009, 16-19.

Anhang

Tabelle 6: Bewertungsschemata für den Lebensraumtypen 3140 Quelle: Bundesamt für Naturschutz, http://www.bfn.de/0316_akgewaesser.html

Tabelle 7: Bewertungsschemata für den Lebensraumtypen 3150 Quelle: Bundesamt für Naturschutz, http://www.bfn.de/0316_akgewaesser.html

Tabelle 8: Rote-Liste der Pflanzenarten D=Deutschland (Ludwig&Schnittler 1996, Schmidt et al 1996), NS=Niedersachsen (NLWK 2004, Vahle 1990)

0=ausgestorben, 1=vom Aussterben bedroht, 2=stark gefährdet, 3=gefährdet, 4=potenziell gefährdet, V=Vorwarnliste

Rote-Liste-Arten

Kategorie

Allersee Kranichmoorsee Tankumsee Waldsee
  D ...... NS        
Chara contraria 3+.........0     x  
Nitella mucronata 3...........4 x      
Nitellopsis obtusa 3...........1 x   x  
Najas marina 3 x      
Potamogeton berchtoldii V   x   x
P. gramineus 2...........2   x x  
P. obtusifolius 3...........3 x      
P. perfoliatus 3...........3 x      
P. trichoides 3     x  
Utricularia australis 3...........3       x

Tabelle 9: Rote-Liste der Fische D=Deutschland (Binot et al 1998), NS=Niedersachsen (Gaumert, D., und Kämmereit, M. 1993)

3=gefährdet, 4=potenziell gefährdet

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